Es macht ganz einfach großen Spaß - Skispringernachwuchs beim Trainingslager in Berchtesgaden
C. Wechslinger am 14.07.2008 - 10:15 Uhr
Berchtesgaden – Peter Rohwein aus Isny trainierte die deutsche Skispringernationalmannschaft von Oktober 2004 bis März 2008. Danach versetzte man den ehemaligen erfolgreichen Skispringer in den Nachwuchsbereich, aus dem Rohwein die Talente zur Spitze heranführen möchte. Der Allgäuer schied im gegenseitigen Einverständnis mit dem Deutschen Skiverband von der Kommandobrücke als Cheftrainer, weiß jedoch, dass es auch passiert wäre, wenn er dagegen gewesen wäre. Er sei ausgebrannt und leer gewesen und so sei der Rücktritt das Richtige gewesen, urteilt Rohwein.
Michael Neumayer ist ein „Kind“ des Kälbersteins. Wie waren Sie mit seinen Leistungen nach dessen Verletzung im letzten Winter zufrieden?
Peter Rohwein: Ich war absolut mit Michi zufrieden. Neumayer ist ein absolut selbstständiger junger Mann, der nebenbei sein BWL-Studium absolviert. Er hatte natürlich auch dementsprechende Freiheiten, weil er immer wusste, was zu machen ist. Neumayer kompensierte nicht nur Studium, sondern auch seine Verletzung und hat sich in den Weltcup zurückgekämpft und dabei Superleistungen gezeigt.
Was trauen Sie Ihrem ehemaligen Schützling noch zu?
Rohwein: Unter die besten Zehn zu springen ist Neumayers eigener Anspruch, den ich ihm jederzeit zutraue. Wenn alles passt, dann kann er sogar wieder auf das Podest springen. Dass er mit am weitesten springen kann, hat Michi oft genug bewiesen. Es haperte alleine oft am Aufsprung.
….der jedoch besser geworden ist.
Rohwein: Fraglos hat sich Michael Neumayer auch beim Aufsprung unglaublich verbessert und bekommt jetzt auch endlich bessere Noten.
Mit wie vielen Buben sind Sie hier in Berchtesgaden im Trainingslager?
Rohwein: Wir haben 22 Buben aus dem D/C-Kader hier. Es sind jedoch noch weitere zehn Buben aus den Stützpunkten dabei, die sich für diese Trainingsmaßnahme empfohlen haben. Wir wollten uns einfach einmal einen Gesamtüberblick verschaffen.
Gibt es auch Burschen, die nicht gekadert kommen?
Rohwein: Das Leistungsgefüge ist natürlich noch recht wechselhaft. Wer bei dem einen Lehrgang gut dabei war, wird im nächsten wiederum schwächer, das ist normal und wird von uns auch so beurteilt. Das ist bei 12 bis 14-jährigen völlig normal. Die Leistungskurven der Buben bestätigen sich insgesamt immer wieder. Wir schauen jedoch auch auf Quereinsteiger, die wir auf keinen Fall verlieren dürfen.
So wie Neumayer?
Rohwein: Ja klar, Neumayer begann seine Skispringerkarriere mit 12 Jahren und es gibt weitere Beispiele für späte Karrieren.
Sie sind jetzt von fertigen Skispringern wieder zurück zum Nachwuchs gegangen, wo vieles noch erlernt, geübt und verfeinert werden muss.
Rohwein: Da muss man sich natürlich zurücknehmen. Schon alleine in der Korrektursprache. Zudem muss vieles verständlicher gemacht werden als mit den Aktiven in der A-Mannschaft, bis die Jungs das kapieren. Man muss seinen Wortschatz ganz einfach anders definieren und den Buben vieles anders vermitteln. Das ist freilich eine Umstellung. Aber ich habe ja viele andere Trainer um mich herum und wir ergänzen uns da gegenseitig. Mir macht es momentan großen Spaß mit den Buben.
Wie viele Tage trainieren Sie den D/C-Kader und wie sieht Ihre Tätigkeit im Weiteren aus?
Rohwein: Ich arbeite mit dem gesamten Kader im Jahr so um die 30 Tage. Darüber hinaus bin ich am Stützpunkt in Oberstdorf mit einer Gruppe im ständigen Training.
Es hat den Anschein, als ob es in anderen Alpenländern mehr Nachwuchs gäbe. Bei der internationalen Mini-Kindervierschanzentournee sind immer wieder Österreicher, Tschechen, Slowenen und sogar Rumänen weit vor unseren Kräften.
Rohwein: Ich glaube nicht, dass es in den anderen Ländern mehr Nachwuchs gibt. Wir haben nur ein anderes System, da unsere Nachwuchskräfte auch die Nordische Kombination mit dem Langlauf betreiben. Ich denke das ist das bessere System. Wir müssen halt auch schon im unteren Bereich an der Qualität arbeiten.
Es gibt Bereiche im Wintersport, in denen 12-jährige schon zu „alt“ sind.
Rohwein: Das ist bei mir bestimmt nicht so, da geht keiner verloren. Deswegen laden wir auch die Seiteneinsteiger immer wieder ein. Sonst würde ich ja sagen „Leute ich habe meine 15 Kräfte, mehr brauche ich nicht“. Das interessiert mich aber nicht. Von außen kommen öfter einmal stärkere Kräfte, als die schon in der Mannschaft sind.
Sie kennen die Schanzen am Kälberstein noch von der eigenen Karriere. Wie gut sind die Anlagen hier und wie gefällt es Ihnen in Berchtesgaden?
Rohwein: Ich komme ja selbst von der Christophorusschule und kenne daher die Umstände in und um Berchtesgaden sehr gut. Die Schanzen sind nach wie vor perfekt und die Unterbringung in der Sportfördergruppe der Bundeswehr ist so gut wie günstig. Ich bin am Kälberstein immer gerne gesprungen. Es haben sich doch nur die Spuren verändert, wenngleich gerade die 90m-Schanze immer eine schwierige und herausfordernde Anlage war. Zum Fliegen taugte sie immer gut, wenn wir auch maximal nur etwas über 90 Meter gesprungen sind und heute 100 drin liegen.
Besser als hier in Berchtesgaden können wir es nicht haben.