Das große Ziel heißt Holmenkollen
C. Wechslinger am 07.08.2008 - 08:58 Uhr
Weltklasseskispringer Michael Neumayer vom SKB beim Springen am Sonntag am Start
Berchtesgaden – Der Bad Reichenhaller Weltklasse-Skispringer Michael Neumayer (29) hat sich von seiner schweren Knieverletzung schon vor der letzten Saison erholt und zurück zur Weltspitze gekämpft. Gleichwohl spiele im Kopf diese schwere Verletzung immer noch eine Rolle, erklärt Neumayer, der in diesem Jahr wegen vielerlei Prüfungen bei seinem Betriebswirtschaftslehre-Studium relativ wenig Zeit zum Training hatte, befindet sich aber bereits sehr gut in Schuss und freut sich schon auf den nächsten Winter. Bis 2010 möchte der Skispringer vom SK Berchtesgaden auf jeden Fall noch dabei sein, möglicherweise sogar bis zu den Weltmeisterschaften 2011 in Oslo.
„Das wäre ein traumhafter Abschluss meiner Laufbahn, dann werde ich mich wohl meinem Beruf im Steuerwesen widmen“, informierte Neumayer.
Sie haben erklärt, dass durch die abgelegten BWL-Prüfungen viel Druck von Ihnen weggefallen ist, Sie sich jetzt voll und ganz dem Training widmen können und auch Zeit zum Materialtesten haben.
Michael Neumayer: Das stimmt, ich hatte bisher nicht viel Zeit zu einem kontinuierlichen Training. Fühle mich aber bereits gut in Form. Alles ist derzeit bestens. Ich werde mich auch auf dem Materialsektor noch verbessern können, denn bisher habe ich nur zwei Anzüge und ein paar Sprungski getestet.
Zuletzt waren Sie in Einsiedeln, Courchevel und Pragelato auf den Plätzen 17, 12 und sieben, sowie in Hinterzarten beim Auftakt zum Sommer Grandprix Vierter. Mit einem Meter mehr wären Sie im Schwarzwald sogar auf dem Siegerpodest gestanden. Überhaupt kann sich diese Serie gut sehen lassen.
Das sind nur Zahlen, wichtig ist, dass ich mich bereits gut in Form fühle, da spielen die Plätze noch keine so wichtige Rolle.
Ihnen wurden wegen eines Kacherl - Aufsprungs früher immer Punkte abgezogen, seit einiger Zeit setzen Sie eine Telemark-Landung. Litt unter dem verbesserten Aufsprung etwas die große Weite?
Es stimmt nur bedingt, dass ich bessere Noten erhalte, denn man bekommt schon früh seinen Stempel aufgedrückt, von dem man sich nur sehr schwer befreien kann. Dass ich vielleicht nicht mehr ganz so weit springe, liegt wohl mehr an der schweren Knieverletzung, die immer noch im Hinterkopf steckt. Schließlich muss ich bei jedem weiten Sprung voll an meine Leistungsgrenze herangehen und mich total überwinden.
Sie haben auf Ihrer Homepage den jungen Pascal Bodmer vom SV Meßstetten und Kevin Horlacher vom SC Degenfeld erwähnt.
Ich denke ein so junger Springer wie Bodmer verdient Anerkennung, wenn er den Deutschen Meistertitel holt. Horlacher wollte ich nach seinem schweren Sturz einfach gute Besserung wünschen. Schließlich muss man derartige Dinge erst einmal wegstecken.
Sie sind ein „Kind“ des Kälberstein und haben erst mit 13 Jahren begonnen skizuspringen. Ist heute auch noch denkbar so „alt“ noch zur Weltspitze vorzustoßen und haben Sie als 13-jähriger überhaupt daran gedacht einmal unter den Besten der Welt zu sein?
Ich habe mit 13 Jahren nur daran gedacht das Skispringen auszuprobieren, denn mein Großcousin Christoph Neumayer war seinerzeit aktiver Skispringer und hat mich dazu animiert. Ich glaube nicht, dass ich ein Einzelfall bin, aber natürlich fängt man mit der Springerei normalerweise schon viel früher an.
Sie sind zuletzt bei vier Konkurrenzen im Sommer Grand Prix gestartet. Statt Pause zu machen kommen Sie an ihre Heimschanze nach Berchtesgaden.
Zum einen freue ich mich nach Wochen auf Reisen auf zu Hause. Da liegt es nahe meine erste Schanze in Berchtesgaden zu besuchen, die immer noch sehr gut in Schuss ist und auf der ich sehr gerne springe. Ich habe ein paar Tage Zeit bis zur nächsten großen Konkurrenz in Zakopane und so möchte ich ganz einfach in Berchtesgaden wieder einmal dabei sein.
Reinhard Hess, Andi Bauer und Peter Rohwein waren Ihre Trainer, seit dieser Saison ist es Werner Schuster.
Ich möchte da nicht von Unterschieden sprechen, sondern von Charakteristika. Reinhard Hess war eine absolute Respektsperson, von dem wir alle viel gelernt haben. Auch Andi Bauer habe ich viel zu verdanken, er hat mir vieles beigebracht. Mit Peter Rohwein hatte ich ebenfalls nie Probleme und wir haben stets gut harmoniert. Mit Werner Schuster kam jedoch die gute Stimmung ins Team zurück, er ist ein Supertyp und die letzten Ergebnisse machen Hoffnung.
Wie lange wollen Sie noch dabei sein?
Mein Ziel sind die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver, aber wenn es noch läuft, würde ich meine Karriere gerne bei den Weltmeisterschaften 2011 am Holmenkollen, dem Mekka des nordischen Skisports, beenden.
Dann wünschen wir noch drei verletzungsfreie und erfolgreiche Jahre.