Lawinen Know-How
BSV am 14.10.2009 - 11:13 Uhr
Lawinen Know-How
Den Jahrhundert Winter 08/09 haben wir alle noch in bester Erinnerung - allerdings gab es auch einige tragische Lawinenabgänge. Um das Risiko zu minimieren benötigst Du professionelles Equipment, Grundkenntnisse der Lawinenkunde sowie permanentes Training.
Egal, ob Du Freerider, Skitourengeher, Schneeschuhwanderer bist, oder einfach nur gerne den Powder genießt - Du solltest wissen, was Du tust. Deshalb bietet der BSV in Kooperation mit Ortovox ein Sicherheits- und Freerideportal.
Freeriden setzt neben dem Können auch noch ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein voraus. Für die eigene Sicherheit, aber auch die Sicherheit von anderen Personen ist es wichtig, die Verhaltensregeln beim Skifahren abseits der gesicherten Pisten zu kennen und einzuhalten. Insbesondere das Lawinenrisiko ist zu beachten.
Freerider sind üblicherweise in kleinen Gruppen unterwegs. Weil die Sportler sich im Hochgebirge bewegen und dort alpinen Gefahren ausgesetzt sind, ist die Anleitung eines Skiführers ratsam.
Ziel des BSV und Ortovox ist es das Verantwortungsbewusstsein der Freerider zu sensibilisieren und das Risiko einer Lawine durch richtiges Verhalten zu minimieren!
Risikomanagement beim Freeriden
Snowboarder und Skifahrer bewegen sich abseits der markierten Piste ausschliesslich auf eigenes Risiko und müssen sich deshalb über Gefahren umfassend informieren. Auch ist zu berücksichtigen dass ein Lawinenverschütteten-Suchgerät keine absolute Sicherheit bietet: Die Hälfte der Opfer, die von einem Schneebrett oder von einer Lawine ganz verschüttet werden, überlebt nicht. Deshalb gilt: Ein Lawinenunglück darf gar nicht passieren!
Die wichtigsten Freeride-Regeln
*Eine Freeride-Ausbildung besuchen.
*Lawinenbulletin und Wetterbericht konsultieren.
*Warnungen der Pisten- und Rettungsdienste sowie
Freeride-Checkpoints beachten und sich entsprechend
verhalten.
*Lawinenverschütteten-Suchgerät, Sonde und Schaufel
mitführen.
*Nicht alleine fahren, sondern sich einer geführten
Gruppe anschliessen.
*Nicht fremden Spuren folgen, die in unbekanntes
Gelände führen.
*Frische Triebschneeansammlungen und steilste
Hangpartien meiden.
*Ab Lawinengefahr "erheblich" (siehe Lawinenbulletin,
blinkende Lawinenwarnleuchte) auf den geöffneten und
markierten Pisten bleiben.
Lawinenarten
Abhängig von der Art ihres Abgangs unterscheidet man zwei grundsätzliche Arten von Schneelawinen und zwar nach der Art ihres Anrisses:
Schneebrettlawinen
Kennzeichen für Schneebrettlawinen ist ein linienförmiger Anriss etwa quer zum Hang. Ausgedehnte Schichten der Schneedecke – oft aus Triebschnee – rutschen zunächst zusammenhängend ab. Im Verlauf des Abgangs kann sich eine Schneebrettlawine zu einer Staublawine entwickeln.
Sie stellen die klassische Gefahrenlawine für Schneesportler und Bergsteiger dar. Opfer einer solchen Lawine sterben oftmals nicht durch Ersticken, sondern an Verletzungen durch Aufprall an Felsen, Absturz oder Druck der oft tonnenschweren Schneemassen.
Der Begriff Schneebrett ist etwas irreführend, suggeriert er doch eine harte Beschaffenheit. In der Realität kommen jedoch auch in sehr weichem, schwer erkennbarem Triebschnee, flächige Lawinenauslösungen vor.
Lockerschneelawinen
Eine Lockerschneelawine ist gekennzeichnet durch einen punktförmigen Anriss. Durch eine Kettenreaktion wächst die Lawine. Solche Lawinen kommen vor allem in unverfestigtem Schnee vor, da dieser die Spannungen schlecht überträgt.
Unterarten [Bearbeiten]
Die oben genannte Einteilung kann noch verfeinert werden:
* Von einer Oberlawine spricht man, wenn die obere Schneeschicht auf der darunter liegenden abrutscht.
* Wird dagegen die ganze Schneedecke zu Tal gerissen, sodass der Boden sichtbar wird, bezeichnet man die Lawine als Grundlawine (seltener als Bodenlawine).
* Hanglawinen erreichen im Gegensatz zu Tallawinen nicht den Fuß des Hangs (bzw. das Tal), sondern kommen im Hang zum Stillstand.
Staublawinen
Staublawinen entstehen, wenn eine große Schneemasse einen steilen Hang hinabstürzt und dabei weiteren Schnee aufnimmt. Der Schnee wird aufgewirbelt, sodass ein Schnee-Luft-Gemisch (Aerosol) entsteht. Eine Staublawine kann Geschwindigkeiten von über 300 km/h erreichen.
Einher mit der Staublawine gehen gewaltige Luftdruckschwankungen (Druck vor, Sog hinter der Front), die tödlich sein können. Durch diese Druckschwankungen, die den Bedingungen in einem Wirbelsturm gleichen können, kommt es zu den großen Zerstörungen. Bäume werden abgeknickt, Hausdächer weggerissen und Fenster eingedrückt, wodurch Schnee in das Haus eindringt. Gelangt das Schnee-Luft-Gemisch in die Lunge von Menschen oder Tieren, so führt dies in der Regel nach kurzer Zeit zum Tode durch Ersticken.
Eislawinen
Eislawinen sind Lawinen, die durch Eisabbrüche an Gletschern oder Gletscherresten, Eisfällen und ähnlichem entstehen und in ihrem Verhalten einem Steinschlag gleichen. Großdimensionierte Eislawinen mit enormem Schadenspotiential nennt man Eissturz als Sonderform eines Bergsturzes. Eislawinen können sich in ihrem Verlauf zu einer Fließlawine umwandeln.
Entstehung einer Lawine
An der Entstehung einer Lawine sind viele Faktoren beteiligt, die sich gegenseitig verstärken oder abschwächen können. Man kann die Entstehung einer Lawine nicht unabhängig von der Art der Lawine betrachten, da es sich z. B. bei Schneebrettern und Nassschneelawinen um ziemlich unterschiedliche Prozesse handelt. Auch die Gefahrenbeurteilung ist sehr unterschiedlich.
Für alle Sorten von Lawinen gilt:
Die Gefahr eines Lawinenabgangs ist bei Hangneigungen zwischen 25° und 45° besonders hoch, wobei stärkere Hangneigung einen Lawinenabgang im Allgemeinen begünstigt – vergleiche hierzu die Kräfte an der Schiefen Ebene. Maßgeblich dabei ist die steilste Stelle (ca. 10×10 m) im Hang.
Eine wesentliche Rolle spielt die Hanglage. Nord- und Nordost-Hänge sind (in nördlichen Breiten) der Sonneneinstrahlung am wenigsten ausgesetzt, wodurch sich die abbauende Umwandlung – die langsame Entspannung und Verfestigung der Schneedecke – verlangsamt und Gefahrenstellen länger konserviert werden.
Die Bodenbedeckung ist ein weiterer Faktor, der die Entstehung von Lawinen beeinflusst. Dichter Wald kann den Abgang von Schneebrettern erschweren, Felsiger Boden den Abgang von Grundlawinen − umgekehrt begünstigen niedergedrückte Latschen, Altgras u.ä. den Abgang von Grundlawinen, eingeschneiter Reif oder Eisschichten begünstigen Lawinen. Insbesondere für Lockerschnee und Staublawinen ist Wald kein Hindernis.
Schnee, insbesondere Neuschnee, kann durch den Wind verfrachtet werden. Verfrachteter Schnee, so genannter Triebschnee, lagert sich auf der windabgewandten Seite von Graten, in Rinnen und Mulden oder am windzugewandten Fuß von Hängen ab. An Graten bildet er Schneewehen und Schneewechten. Dieser verfrachtete Schnee kann unter großer Spannung stehen, so dass bereits kleinste Störeinflüsse von außen für eine Auslösung genügen können. Triebschnee kann sowohl hart als auch weich sein und ist dadurch nicht einfach zu erkennen. Auch nach dem Einschneien durch nachfolgende Schneefälle, behält er sein Gefahrenpotenzial bei.
Wenn viel Schnee in kurzer Zeit auf einem Hang zu liegen kommt, wächst die Belastung der Schneedecke durch das zusätzliche Gewicht schneller als die Setzung und Verfestigung voranschreiten kann. Der Druck auf die unteren Schichten wird so groß, dass diese der Belastung nicht mehr standhalten. Bereits geringe Zusatzbelastung, z. B. das Gewicht eines Skifahrers, kann dazu führen, dass die Schneeschichten ins Rutschen geraten und es zu einem Lawinenabgang kommt. Besonders instabil sind bis auf den Grund nasser Schnee und Triebschnee. In die Schneedecke eingelagerte Zwischenschichten (z. B. Raureif, Schwimmschnee oder Eislamellen) tragen zur Verschärfung der Situation bei und bilden die Gleithorizonte, auf denen die darüberliegende Schneedecke abrutscht.
Je tiefer die Temperatur ist, desto länger dauert es, bis sich Schichten aus Neuschnee verfestigen. Jedoch können auch steigende Temperaturen die Lawinengefahr erhöhen, wenn die Schneedecke destabilisiert wird. Diese Instabilität entsteht durch Umwandlung der Schneekristalle oder Durchfeuchtung bis auf den Grund. Grundsätzlich hat jeder Temperaturwechsel eine Veränderung der Lage zur Folge.