Fritz Fischer und der BSV vermitteln Schülern die Faszination des Biathlon
Reinhard Hübner am 14.04.2009 - 10:53 Uhr
Fritz Fischer? „Klar kennen wir den, das ist doch der ARD-Reporter“, sagt ein Mädchen. Die anderen kugeln sich vor Lachen. Und am meisten lacht Fritz Fischer selbst. Ruhm, das weiß der Biathlon-Olympiasieger von 1992, ist vergänglich. Aber die Faszination bleibt. Die Begeisterung für seinen Sport will er weitertragen, Kinder und Jugendliche infizieren mit dem Bazillus Biathlon. Weil er überzeugt ist, dass das „eine Super-Sache“ ist, „Biathlon fördert die Ausdauer und gleichzeitig die Konzentration.“ Genau die Eigenschaften, die viele Lehrer oft schwer vermissen bei ihren Schülern in den Zeiten von Laptop und multi-medialer Berieselung.
Fischer, inzwischen 52, leitet in der Chiemgau-Arena Ruhpolding das Biathlon-Camp, in dem er Biathlon noch populärer und einem breiten Publikum zugänglich machen will. Heute hat er in einer gemeinsamen Aktion mit dem Bayerischen Skiverband Schüler aus Dachau und Garmisch-Partenkirchen nach Ruhpolding geholt, ihnen und ihren Lehrern will er zeigen, dass sich Biathlon auch oder gerade als Schulsport eignen würde. „Leistungsbereitschaft und Disziplin sind gefordert“, sagt Fischer, blinzelt in die strahlende Frühlingssonne und ergänzt: „Spaß macht es aber auch.“
Sollte einer daran zweifeln, er muss nur in die Gesichter der Jugendlichen schauen. Wenn sie ins Ziel kommen, sich für ihre Staffel völlig verausgabt haben, stolz sind, die Runde ordentlich geschafft zu haben, glänzen die Augen. Und wenn man sie fragt, was es denn ist, was Biathlon so spannend macht, sagen sie: „Das ist diese Verbindung von zwei eigentlich völlig verschiedenen Sportarten.“ Da kann einer, der nicht unbedingt der sportlich-ausdauernde Typ ist, mit Ruhe und Konzentration vieles wettmachen, seiner Staffel mit guten Schießleistungen vielleicht sogar mehr helfen als der, der sich locker auf den Skiern bewegt, aber zu hektisch am Schießstand agiert. So kann jeder seine Qualitäten einbringen, zum Erfolg beitragen. Genau das ist es doch, was die Pädagogen anstreben, die nun selbst eine Staffel gebildet und sich mit wachsender Begeisterung am Biathlonsport versucht haben.
Fritz Fischer steht im Ziel, feuert an, gibt Tipps, hilft, die letzten Meter auch noch zu bewältigen. Noch lauter aber sind die Schüler, die ihre Kollegen nicht hängen lassen. „Eigentlich“, sagt Fischer, „seid ihr die besten Trainer, wie ihr euch gegenseitig angestachelt und aufgebaut habt, das war einfach toll.“ Nur beim Schießen, da kann keiner helfen. Am mobilen Laser-Schießstand ist höchste Konzentration gefordert, Mitarbeiter von Fischers Biathlon-Camp weisen die Schüler behutsam ein, zeigen ihnen den Umgang mit den Laser-Gewehren. Und erklären, wie wichtig es hier ist, absolut zuverlässig zu sein: „Hier lernen die Jugendlichen früh, Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln“, sagt Fischer.
Klaus Rambach, Geschäftsführer des Bayerischen Skiverbandes, könnte sich gut vorstellen, Biathlon in die Palette der Schulsportarten aufzunehmen: „Für das Winterfinale von Jugend trainiert für Olympia brächte Biathlon eine weitere Aufwertung, wäre ein interessante Ergänzung zu den Langlaufwettbewerben.“ Noch aber ist das eine schöne Vision.
Auf dem Weg dorthin wollen Fritz Fischer und der Bayerische Skiverband künftig noch öfters Schülern und ihren Lehrern Biathlon hautnah präsentieren, ihnen zeigen, wie spannend und pädagogisch wertvoll dieser Sport sein kann. Es war ein Versuch. „In dieser Form“, sagt Fritz Fischer, „haben wir das zum ersten Mal gemacht.“ Es soll nicht das letzte Mal gewesen sein.