Ausbildungslehrgang: Skitour Grundstufe, BSV Februar, März 2009
BSV am 03.07.2009 - 08:06 Uhr
„Ich steige den Berg hinauf, denn das macht mir Freude!“
Von einem Geburtstag, einer Taufe, den schnellen LVS-Suchern, einigen Krisensituationen, kleinen und großen Stürzen, großen und kleinen Führern, guten Skifahrern, Not-Biwaks und Biwaksackverschnürungen, Cirren- und Cumuluswolken , Marschtabellen, Schneeprofilen, von wunderschönen Touren, netten Ausbildern, neuem Wissen und vor allem viel Spaß!
16 Teilnehmer , d.h. begeisterte Skitouren-Geher, voller Vorfreude die letzte Ausbildungswoche zur Grundstufe im Bereich Skitouren-Gehen motiviert und lernhungrig anzutreten, versammelten sich am 8. März 2009 in Hinterwindau.
Unsere Base: das Steinberghaus, auf 872 Metern Höhe; gemütlich, mit einer hervorragenden Küche und netten Wirts-Leuten bestückt.
Doch wir fangen ganz am Anfang an: an den ersten beiden Ausbildungswochenenden, bestehend aus dem alpinen Teil und einem Skitouren-Teil, hatten wir unseren Rückzugspunkt im Gasthaus Weingast in Kematen.
Während wir uns bei dem ersten Lehrgang auf den Pisten in Sudelfeld mit dem Pflugbogen und der Bergstemme mehr oder weniger beschäftigten und auseinander setzten- eine technisch richtige und schöne Ausführung brachte fast alle von uns an ihre Grenzen des Machbaren- staubten wir am zweiten Wochenende den Taubenstein und den Hochrieß hinauf und wieder hinunter. Es hatte geschneit und das Wetter beherrschte uns auch noch einen wunderbaren , sonnigen Tag mit einigen Höhenmetern und der Erkenntnis, dass das Führungstempo eine doch nicht so einfache Sache ist, wie wir alle dachten.
Nach diesen beiden Wochenenden gab uns unser Ausbilder „Kaser“ seinen Segen und entließ uns in den Aufbaulehrgang Anfang März.
Und so kommen wir wieder nach Hinterwindau, nähe Westendorf.
Die Woche sollte uns folgendes bescheren: Theorie am Abend, Theorie während der Tour, Tourenplanung und Durchführung dieser ausgearbeiteten Tour tagsüber (Aufstieg und Abfahrt) und Halten kleiner Lehrproben.
Gerald Hörmann und Jürgen von der Goltz, unsere beiden Ausbilder vom BSV, eröffneten die Woche demnach mit folgenden Worten:
„Es wird eine anstrengende Woche für euch werden, wir haben viel zu tun und viel zu lernen.“
Und dem ward auch so.
Denn um Skitouren führen zu können, braucht man das richtige Wissen und Können, was beides in den Bergen unverzichtbare Faktoren sind.
Lawinenkunde, Schneeprofile, Wetter, aber auch das Führen einer Gruppe braucht eine gewisse Übung, um muss gelernt werden. Ebenso wichtig sind die Orientierung im Gelände und das richtige Umgehen mit Kompass und Karte. So mussten wir alle regelmäßig unseren Standpunkt bestimmen und mit dem Kompass rückwärts und vorwärts auf der Karte einschneiden.
Wie schnell darf ich als Führer gehen, wann mach ich die erste Gurtrast, wie lege ich die Spur an, wie schätze ich die momentane Lawinenlage ein oder soll ich mit meiner Gruppe umkehren?
Das waren einige der Fragen, welchen wir uns als angehende Führer stellen mussten.
Deshalb war es wichtig, die Antworten von unseren Ausbildern zu erfahren oder diese mit ihnen gemeinsam in der Gruppe zu erarbeiten. So musste jeder in seiner Gruppe eine kleine Lehrprobe halten. Die Themen gab es von unseren Ausbildern und man selbst musst sich dann dazu etwas erarbeiten und überlegen. Einige Themen waren: die Snow-Card, die 3x3-Filter-Methode nach Munter, Orientierung mit Kompass und Karte, alpine Gefahren, Spurenlage, u.v.m.
So musste auch ein jeder seine Gruppe einen lang Tag auf Note führen. Die Tour, welche man am Abend davor in der Gruppe erarbeitete, führte uns in die vielfältig schönen Gebirgslandschaften der Kitzbüheler Alpen. Bei dieser Aufgabe merkten alle, dass das richtige Führungs-Tempo nicht so einfach, aber reine Übungssache war. Denn meist wird man als Führer eine Gruppe von Anfängern leiten, die langsamer gehen.
Die Lawinengefahr war stets zu berücksichtigen. Ebenso das Wetter, welches sich nach wunderschönen sonnigen Partien, oft schnell in ein dichtes Nebelfeld verwandelte. In der Gruppe besprach man die Faktoren, welche dann für ein Weitergehen oder Umkehren von Entscheidung war.
Um das Lawinenrisiko noch besser einschätzen zu können, machten wir Schneeprofile, um die entscheidenden Schwachschichten ausfindig zu machen und erstaunt immer wieder festzustellen, dass Unmengen an Schnee vorhanden waren. Mit dem richtigen Werkzeug, wie Pinsel, Lupe, Thermometer, etc., lernten wir den Schnee zu analysieren und auf seine Gefahr hin einzustufen.
Einige Male mussten wir demnach unsere Tour abbrechen und auf Grund von der schlechteren Wetterlage und dem Lawinenrisiko wieder umkehren.
Mit dem vielen Schnee konnten wir aber auch ganz andere Dinge anstellen. Beispielsweise ein Not-Biwak errichten, schönste Abfahrten genießen, aber auch ein Lawinenfeld präparieren, um dort eine unserer vielen Prüfungen zu absolvieren: der LVS-Suche auf Zeit und auf Note.
Nicht einfach, denn mit dem Hintergedanken, alles richtig und vor allem schnell zu machen, war man selbst auf einmal sehr aufgeregt und nervös. Allerdings waren alle sehr schnelle Sucher und ein jeder hat festgestellt, dass dies eine gute Übung für eine echte reale Verschüttung war.
Um unser geballtes Wissen nun abzufragen, mussten wir einige Prüfungen durchstehen. Neben der LVS-Suche auf Zeit, der Führungstechnik und Taktik kamen noch eine schriftliche und mündliche Prüfung dazu. Während der gesamten Woche wurde jeder beobachtet und bewertet und hinzu kamen natürlich auch die Noten aus den ersten beiden Fortbildungs-Wochenenden. Jeder hat die Prüfungen bestanden und für auch jeden angehenden Führer, der motiviert und interessiert ist, zu schaffen.
Neben den praktischen und theoretischen Teilen, kam der Faktor Spaß ebenfalls nicht zu knapp.
Einer der Teilnehmer, aus dem doch so nahen Köln angereist, durfte sich über eine bayerische Einbürgerungs-Taufe freuen. Sepp wird er seitdem gerufen und ist trotz einigen Verständigungsschwierigkeiten fast ein waschechter Bayer geworden.
Mit bayerischer Brotzeitplatte und Sekt wurde am letzten Abend um Zwölf ein Geburtstag gefeiert.
Ein Teilnehmer gab uns dazu seine Version des luis-trenkischen Geburtstags-Theaters.
Stets wurde die Abfahrtshocke auf Kommando trainiert, viel geredet und viel gelacht.
Die gesamte Gruppe mit ihren Ausbildern bestand aus verschiedenen Charakteren, was die Woche witzig, spannend und lehrreich gemacht hat. Man konnte von allen lernen und am meisten von unseren tollen und motivierten Ausbildern.
Vielen Dank dafür! Berg Heil!